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Ratgeber

Naturstein richtig pflegen: Marmor, Kalkstein, Granit und Schiefer

Ob ein Naturstein mit sauren Reinigern behandelt werden darf, hängt von seiner Mineralogie ab: Kalkhaltige Gesteine wie Marmor, Kalkstein, Travertin und Terrazzo werden von Säuren angelöst, silikatische Gesteine wie Granit, Gneis oder Quarzit sind weitgehend säurebeständig. Wer den Stein falsch einordnet, verursacht mit einem einzigen Kalkreiniger matte Ätzflecken, die sich nicht mehr wegwischen lassen. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Stein bestimmen, welche Mittel und Methoden passen und wie Sie typische Flecken behandeln.

Aktualisiert: Oktober 2026Lesezeit: ca. 10 Min.Von: Redaktion PUTZPROFIS Berlin

Zwei Gesteinsgruppen, zwei völlig verschiedene Regeln

Für die Reinigung ist nicht entscheidend, wie ein Stein heißt oder wie teuer er war, sondern woraus er chemisch besteht. Kalkhaltige Gesteine bestehen überwiegend aus Calciumcarbonat. Säuren reagieren mit diesem Mineral und lösen es auf – das ist dieselbe Reaktion, mit der ein Kalklöser die Duschwand befreit. Silikatische Gesteine bestehen dagegen vor allem aus Quarz, Feldspat und Glimmer und werden von haushaltsüblichen Säuren kaum angegriffen.

Säureempfindlich (kalkhaltig)

  • Marmor, auch Jura-Marmor und Solnhofener Platten
  • Kalkstein und Muschelkalk
  • Travertin
  • Terrazzo mit Marmor- oder Kalksteinkörnung
  • Kalkgebundene Sandsteine und manche Kunststeine

Tabu: Essig, Zitronensäure, Kalklöser, WC- und Badreiniger, Zementschleierentferner, aber auch Säfte, Wein, Cola und manche Kosmetik.

Weitgehend säurebeständig (silikatisch)

  • Granit, Gneis, Syenit
  • Quarzit
  • Basalt und Porphyr
  • Die meisten Schiefer
  • Quarzgebundene Sandsteine

Saure Reiniger gegen Kalk sind möglich, aber nicht als Dauerlösung. Polierte Flächen bleiben empfindlich gegen scheuernde Mittel, viele Steine gegen Öl und Fett.

Wichtig

Handelsnamen sind keine Gesteinsbestimmung. Im Natursteinhandel werden manche polierfähigen Kalksteine als „Marmor“ und manche Gesteine mit Kalkanteil als „Granit“ verkauft. Maßgeblich ist das, was der Stein mineralogisch ist.

Schiefer und manche dunklen Hartgesteine haben eine zusätzliche Eigenheit: Sie können Eisensulfide wie Pyrit enthalten. Kommen diese mit Feuchtigkeit und ungeeigneten Reinigern in Kontakt, entstehen Rostflecken aus dem Stein heraus. Starke Säuren und Bleichmittel fördern diesen Vorgang. Auch hier ist ein neutraler Reiniger die sichere Wahl.

Den eigenen Stein bestimmen

In Berliner Gebäuden begegnen uns alle Steingruppen: Solnhofener Platten in Gründerzeit-Fluren, Terrazzo in Treppenhäusern der Nachkriegszeit, polierter Granit in Eingangshallen, Muschelkalk und Travertin in öffentlichen Bauten, Schiefer in Bädern und Küchen. Bevor die erste Reinigung beginnt, sollte klar sein, um welchen Stein es sich handelt. So gehen Sie vor:

  1. 1
    Unterlagen prüfen

    Bauakte, Lieferschein, Angebot des Steinmetzes oder Unterlagen der Hausverwaltung nennen oft Steinsorte und Herkunft. Das ist die verlässlichste Quelle.

  2. 2
    Optik und Struktur ansehen

    Granit zeigt typischerweise ein körniges Gefüge aus hellen, dunklen und glitzernden Mineralen. Marmor hat oft wolkige Adern, Travertin offene Poren, Terrazzo eingebettete Steinkörner in einer Matrix.

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    Härte einschätzen

    Silikatische Hartgesteine lassen sich mit einem Stahlnagel kaum ritzen, Marmor und Kalkstein deutlich leichter. Diesen Test nur an Reststücken oder unsichtbaren Stellen durchführen.

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    Säuretest am Reststück

    Ein Tropfen verdünnter Säure schäumt auf kalkhaltigem Stein leicht auf. Weil die Stelle danach matt ist, gehört der Test nie auf eine sichtbare Fläche.

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    Im Zweifel als empfindlich behandeln

    Wer unsicher ist, reinigt neutral. Ein neutraler Reiniger schadet keinem Stein – ein saurer dagegen kann einem Teil der Steine dauerhaft schaden.

Reinigung im Alltag: was jeder Stein verträgt

Die laufende Reinigung von Naturstein ist weniger kompliziert, als oft angenommen. Entscheidend sind drei Dinge: Sand und Splitt konsequent entfernen, mit einem passenden Reiniger feucht wischen und keine filmbildenden Mittel auf Flächen bringen, die rutschhemmend bleiben müssen.

Richtwerte; Herstellerangaben für Reiniger und Imprägnierung gehen vor.
ArbeitsschrittKalkhaltiger SteinSilikatischer Stein
TrockenreinigungTäglich kehren oder saugen; Sand wirkt auf polierten Flächen wie SchleifpapierTäglich kehren oder saugen; raue Oberflächen mit Bürste
WischreinigungNeutralreiniger oder Steinseife, schwach alkalisch erlaubtNeutralreiniger, bei Fett schwach alkalisch
KalkfleckenKeine Säure; mechanisch mit weißem Pad und Neutralreiniger, vorbeugend trockenwischenSaurer Reiniger möglich, Fugen vorher wässern, gründlich nachspülen
MaschinellWeiche Pads, Scheuersauger mit NeutralreinigerScheuersauger mit Bürste oder Pad je nach Oberfläche
PflegeSteinseife oder Steinpflege nach HerstellerangabeMeist nur Reinigung, bei Bedarf Imprägnierung

Fugen nicht vergessen

Auch bei säurebeständigem Stein ist die Fuge häufig der Schwachpunkt. Zementäre Fugenmörtel enthalten Kalk und werden von Säuren ausgewaschen; die Fuge wird sandig und vertieft sich. Darum wird vor jeder sauren Anwendung die Fläche mit klarem Wasser vorgenässt, damit die Fuge vollgesogen ist und weniger Säure aufnimmt, und danach gründlich nachgespült. Silikonfugen an Wand- und Bodenanschlüssen sind keine Steinfrage, verfärben sich aber leicht durch Schimmel – dazu mehr im Ratgeber Kalk in Sanitärräumen vorbeugen.

Rutschhemmung erhalten

Gestockte, geflammte oder sandgestrahlte Steinoberflächen werden oft gezielt wegen ihrer Rutschhemmung gewählt, etwa in Eingängen und Außenbereichen. Filmbildende Pflegemittel und Wachse können diese Wirkung verringern. Hier wird nur gereinigt, gegebenenfalls imprägniert, aber nicht beschichtet. Polierte Flächen dagegen sind bei Nässe ohnehin rutschig – Schmutzfangmatten und schnelles Trockenwischen sind dort Teil der Sicherheit.

Passende LeistungSteinböden fachgerecht reinigen und pflegen lassen

Wir bestimmen bei einer kostenfreien Besichtigung den Stein und seinen Zustand und wählen Reiniger, Pad und Schutz passend zur Gesteinsgruppe – vom Terrazzo-Treppenhaus bis zur Granithalle.

Flecken im Stein: Ursachen und passende Mittel

Naturstein ist mehr oder weniger porös. Flüssigkeiten ziehen ein und hinterlassen Flecken unter der Oberfläche, die sich mit Wischen nicht erreichen lassen. Bevor man handelt, muss klar sein, welche Art von Fleck vorliegt – und ob es überhaupt ein Fleck ist oder eine Ätzung.

Vor jeder Fleckbehandlung an unauffälliger Stelle testen.
FleckartTypisches BildVorgehenAchtung
Öl und FettDunkler, unscharfer Rand, Stein wirkt nassFleckenpaste oder Kompresse mit Lösemittelanteil, die das Öl aus dem Stein zieht; mehrfach wiederholenNicht scheuern; frische Ölflecken sofort abtupfen
Organisch (Kaffee, Tee, Wein, Laub)Bräunlich bis rötlichNeutralreiniger; bei silikatischem Stein ggf. Spezialmittel nach TestBleichmittel nur mit Freigabe des Steinherstellers
RostOrangebraun, oft punktförmigSpezielle Rostentferner für NatursteinKlassische Rostlöser sind sauer und auf Marmor tabu
Kalk und WasserfleckenWeißlicher BelagSilikatisch: saurer Reiniger; kalkhaltig: mechanisch und vorbeugend trockenwischenAuf Marmor nie Kalklöser
ÄtzfleckenMatte, raue Stelle, oft in Form eines Tropfens oder GlasesKein Fleck, sondern Materialabtrag: Schleifen und Polieren durch FachbetriebWeiteres Reinigen verschlimmert das Bild
ZementschleierGrauer Film nach Verlegung oder UmbauSilikatisch: Zementschleierentferner; kalkhaltig: nur spezielle, freigegebene VerfahrenAuf kalkhaltigem Stein schwierig – Fachbetrieb
Kompresse statt Kraft

Bei Flecken, die in den Stein eingezogen sind, hilft Schrubben nicht. Bewährt ist eine Kompresse: Ein saugfähiges Material wird mit einem passenden Lösungsmittel zu einer Paste angerührt, dick auf den Fleck aufgetragen, abgedeckt und über Stunden trocknen gelassen. Beim Trocknen zieht die Paste den gelösten Fleck aus den Poren. Oft sind mehrere Durchgänge nötig.

Ölflecken auf Pflaster und Beton in Hof und Einfahrt folgen ähnlichen Prinzipien, verlangen aber zusätzlich den Blick auf Umweltregeln. Darum geht es im Ratgeber Ölflecken auf Beton und Pflaster entfernen.

Imprägnieren, versiegeln, kristallisieren – was ist was?

Für den Schutz von Naturstein gibt es drei grundverschiedene Ansätze. Sie werden im Alltag oft verwechselt, wirken aber unterschiedlich und passen nicht zu jedem Stein:

Imprägnierung

Dringt in die Poren ein und macht sie wasser- und ölabweisend, ohne einen Film auf der Oberfläche zu bilden. Optik und Rutschhemmung bleiben weitgehend erhalten. Geeignet für fast alle Steine, vor allem offenporige.

Versiegelung, Beschichtung

Bildet einen Film auf der Oberfläche. Schützt gut, verändert aber Glanz und Griffigkeit und muss gepflegt und irgendwann wieder entfernt werden. Auf polierten Hartgesteinen haftet sie oft schlecht.

Kristallisation

Ein Verfahren nur für kalkhaltige Steine: Ein Mittel reagiert unter maschineller Bearbeitung mit der Oberfläche und erzeugt eine harte, glänzende Schicht. Für Granit und Quarzit ungeeignet.

Steinseife, Steinpflege

Wird dem Wischwasser zugesetzt und hinterlässt einen sehr dünnen Pflegefilm. Für kalkhaltige Steine in der Unterhaltsreinigung verbreitet, bei Überdosierung schmierig.

Der Wassertropfen-Test

Ob eine Imprägnierung noch wirkt, zeigt ein einfacher Test: Ein paar Tropfen Wasser auf die Fläche geben und einige Minuten warten. Bleiben sie als Perlen stehen, ist der Schutz intakt. Ziehen sie ein und hinterlassen einen dunklen Fleck, ist die Imprägnierung erschöpft oder es gab nie eine. Gerade stark genutzte Laufwege verlieren ihren Schutz schneller als Randbereiche – häufig genügt es, nur diese Zonen nachzubehandeln.

Stein im Objekt: Treppen, Bäder und Eingänge

Treppenhäuser mit Terrazzo und Kunststein

Treppenstufen nehmen an der Vorderkante den stärksten Abrieb auf. Terrazzo und Betonwerkstein sind hier häufig ausgetreten, matt und fleckig. Die laufende Reinigung muss streng neutral sein; Glanz und Schutz lassen sich durch maschinelles Polieren oder Kristallisieren zurückgewinnen, tiefe Abnutzung nur durch Schleifen. Für die regelmäßige Pflege von Stufen, Podesten und Handläufen gibt es die Treppenhausreinigung.

Bäder und Sanitärräume

Marmor im Bad ist schön, aber ein Dauerkonflikt: Kalkhaltiges Wasser hinterlässt Flecken, und die üblichen Badreiniger sind sauer. Hier hilft nur Disziplin – nach dem Duschen trockenwischen, Neutralreiniger verwenden und für Armaturen saure Mittel nur auf einem Tuch, nicht als Sprühnebel. Bei Urinsteinbelägen in WC-Anlagen mit Steinboden ist besondere Vorsicht geboten; worauf es dabei ankommt, steht im Ratgeber Urinstein entfernen. Die regelmäßige Reinigung solcher Räume übernimmt eine Sanitärreinigung mit materialgerechter Mittelwahl.

Eingangshallen und Außenstufen

Im Winter bringen Streusalz und Splitt besondere Belastungen. Salzlösungen dringen in poröse Steine ein, kristallisieren beim Trocknen und können Ausblühungen und Abplatzungen verursachen. Splitt zerkratzt polierte Flächen. Ausreichend lange Schmutzfangzonen, häufigeres Wischen in der Streusaison und eine gründliche Reinigung im Frühjahr sind hier die wirksamsten Maßnahmen.

Wenn im selben Haus auch elastische Böden liegen, lohnt der Blick auf die gegenteilige Regel: Linoleum verträgt keine starken Laugen, während schwach alkalische Steinreiniger für Marmor gerade richtig sind. Mehr dazu im Ratgeber Linoleum reinigen und pflegen.

Häufige Fragen zur Pflege von Naturstein

Wie erkenne ich, ob mein Steinboden säureempfindlich ist?

Am sichersten über die Unterlagen des Steinlieferanten oder Bodenlegers. Fehlen sie, hilft ein Test an einem Reststück oder einer wirklich verdeckten Stelle: Ein Tropfen verdünnter Säure, etwa Essig, schäumt auf kalkhaltigem Stein leicht auf. Weil dabei die Oberfläche angeätzt wird, gehört dieser Test nie auf sichtbare Flächen.

Ist Terrazzo säureempfindlich?

In aller Regel ja. Terrazzo besteht meist aus Marmor- oder Kalksteinkörnern in einer zementgebundenen Matrix. Sowohl die Körner als auch der Zementstein werden von Säuren angegriffen. Terrazzo wird daher wie Marmor neutral oder schwach alkalisch gereinigt.

Kann man Ätzflecken auf Marmor selbst entfernen?

Leichte, matte Ätzflecken auf polierten Flächen lassen sich manchmal mit speziellen Marmorpolierpasten mildern. Tiefere Ätzungen sind ein Materialabtrag und lassen sich nur durch Schleifen und Polieren beheben. Das ist Arbeit für Steinmetze oder spezialisierte Natursteinbetriebe.

Darf man Granit mit Essigreiniger putzen?

Granit ist überwiegend säurebeständig, deshalb schadet ein gelegentlicher saurer Reiniger gegen Kalk in der Regel nicht. Zu beachten sind aber zementhaltige Fugen, die Säure nicht dauerhaft vertragen, und manche als Granit verkaufte Steine, die kalkhaltige Anteile enthalten. Für die tägliche Reinigung genügt ein Neutralreiniger.

Wie oft sollte ein Steinboden imprägniert werden?

Das hängt von der Porosität des Steins, der Beanspruchung und dem Produkt ab. Ein einfacher Test zeigt, ob die Wirkung nachlässt: Bleibt ein Wassertropfen nicht mehr als Perle stehen, sondern zieht ein und dunkelt den Stein ab, ist eine Nachimprägnierung sinnvoll.

Weiterlesen im Ratgeber

Über diesen Ratgeber

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion PUTZPROFIS Berlin und beruht auf der Praxis aus über 20 Jahren Objektreinigung, unter anderem in Altbau-Treppenhäusern, Eingangshallen und Sanitärbereichen. Stand: Oktober 2026. Für Schleif- und Polierarbeiten an beschädigtem Stein sind Steinmetz- oder Natursteinfachbetriebe zuständig.

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