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Ratgeber

Umweltschonende Reinigungsmittel: Umweltzeichen, Inhaltsstoffe und Grenzen

Ob ein Reinigungsmittel die Umwelt weniger belastet, erkennen Sie zuverlässig an unabhängigen Umweltzeichen wie dem Blauen Engel oder dem EU Ecolabel – nicht an Werbebegriffen wie „öko“ oder „natürlich“. Mindestens ebenso wichtig wie die Produktwahl ist allerdings die Dosierung: Ein gelabeltes Mittel in doppelter Menge ist keine ökologische Reinigung. Dieser Ratgeber erklärt, was die Zeichen bedeuten, auf welche Inhaltsstoffe es ankommt und wo umweltschonende Mittel an Grenzen stoßen.

Aktualisiert: Oktober 2026Lesezeit: ca. 9 Min.Von: Redaktion PUTZPROFIS Berlin

Was „umweltschonend“ bei Reinigungsmitteln bedeutet

Jedes Reinigungsmittel gelangt nach Gebrauch ins Abwasser. Umweltschonend ist ein Produkt deshalb vor allem dann, wenn es dort möglichst wenig Schaden anrichtet, aus verträglichen Rohstoffen besteht, sparsam dosiert werden kann und wenig Verpackung verursacht. Diese Eigenschaften lassen sich am Etikett allein kaum beurteilen. Das Umweltbundesamt unterscheidet daher drei Arten von Kennzeichnungen:

Unabhängige Umweltzeichen

Vergeben nach öffentlich zugänglichen Kriterien und geprüft durch eine unabhängige Stelle, etwa Blauer Engel, EU Ecolabel oder Nordic Swan. Sie vergleichen Produkte innerhalb einer Produktgruppe.

Herstellerangaben

Selbst formulierte Aussagen wie „umweltfreundlich“, „natürlich“ oder „öko“. Sie sind nicht einheitlich definiert und vom Hersteller selbst verantwortet.

Brancheninitiativen

Selbstverpflichtungen von Verbänden. Sie bewerten das Engagement des Herstellers, nicht die Umwelteigenschaften des einzelnen Produkts.

Was ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist

Ein häufiges Werbeargument ist die biologische Abbaubarkeit. Die EU-Detergenzienverordnung verlangt aber bereits, dass Tenside in Wasch- und Reinigungsmitteln biologisch vollständig abbaubar sind. Dieselbe Verordnung schreibt vor, bestimmte allergene Duftstoffe ab einer geringen Konzentration auf dem Etikett anzugeben. Wer mit diesen Punkten wirbt, beschreibt also häufig nur den gesetzlichen Mindeststandard.

Hinzu kommt eine neue Rechtslage: Seit dem 27. September 2026 gelten im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb strengere Regeln für pauschale Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel, mit denen die EU-Richtlinie 2024/825 umgesetzt wird. Allgemeine Versprechen wie „umweltfreundlich“ ohne anerkannten Nachweis und selbst ausgedachte Siegel ohne Zertifizierungssystem werden damit deutlich eingeschränkt. Für Einkäufer bedeutet das: Verlässliche Orientierung bieten anerkannte Umweltzeichen.

Hinweis

Die rechtlichen Angaben in diesem Ratgeber sind ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.

Umweltzeichen im Vergleich

Für Reinigungsmittel spielen in Deutschland vor allem zwei Zeichen eine Rolle. Beide sind sogenannte Typ-I-Umweltzeichen: Die Kriterien werden öffentlich festgelegt, die Einhaltung wird vor der Vergabe geprüft, und das Zeichen gilt nur für die jeweilige Produktgruppe.

Stand Oktober 2026; aktuelle Kriterien und gelistete Produkte veröffentlichen die Zeichengeber auf ihren Websites.
MerkmalBlauer EngelEU Ecolabel
HerkunftUmweltzeichen der Bundesregierung; Zeicheninhaber ist das Bundesumweltministerium.Umweltzeichen der Europäischen Union, Grundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 66/2010.
KriterienVom Umweltbundesamt erarbeitet, von der unabhängigen Jury Umweltzeichen beschlossen, regelmäßig überarbeitet.Auf EU-Ebene festgelegt; für Reiniger für harte Oberflächen im Beschluss (EU) 2017/1217.
VergabeÜber die RAL gGmbH als Vergabestelle auf Basis eines Vertrags mit dem Hersteller.Über nationale zuständige Stellen; in Deutschland sind das Umweltbundesamt und RAL beteiligt.
Relevante ProduktgruppeDE-UZ 194: Handgeschirrspülmittel und Reiniger für harte Oberflächen.Allzweck-, Küchen-, Fenster- und Sanitärreiniger, für privaten und gewerblichen Gebrauch.
LogoBlauer Engel mit Kranz und Hinweis auf die Schutzziele.Blume aus Sternen mit Lizenznummer.
NachprüfenProduktsuche auf der Website des Blauen Engels.Produktkatalog des EU Ecolabel (ECAT).

Beide Zeichen stellen Anforderungen an Inhaltsstoffe, Gewässerverträglichkeit, Verpackung und Verbraucherinformationen. Beim EU Ecolabel gehört zusätzlich ein Nachweis der Reinigungsleistung zu den Kriterien – ein gelabeltes Produkt muss also auch reinigen können. Weitere seriöse Typ-I-Zeichen sind etwa der Nordic Swan aus den nordischen Ländern und das Österreichische Umweltzeichen.

So prüfen Sie ein Zeichen auf der Verpackung

  1. Ist das Logo vollständig und gehört es zu einem bekannten Zeichengeber?
  2. Steht eine Lizenz- oder Registriernummer dabei? Beim EU Ecolabel ist sie Pflicht.
  3. Passt die Produktgruppe? Ein Zeichen für Handgeschirrspülmittel sagt nichts über einen Bodenreiniger desselben Herstellers.
  4. Ist das Produkt in der offiziellen Datenbank gelistet?
  5. Ist das Siegel in Wahrheit ein Herstellerlogo mit grüner Farbe, Blatt oder Erdkugel, aber ohne Prüfstelle?

Inhaltsstoffe, auf die es ankommt

Wer kein Umweltzeichen zur Hand hat oder Produkte genauer vergleichen will, findet Hinweise im Sicherheitsdatenblatt und in der Inhaltsstoffangabe. Die folgenden Gruppen sind für Umwelt und Gesundheit besonders relevant:

Duftstoffe

Sie verbessern nur den Geruch, tragen nichts zur Reinigung bei und gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Für Kitas, Praxen und Menschen mit empfindlicher Haut sind parfümfreie Produkte die bessere Wahl.

Konservierungsmittel

Wasserhaltige Produkte brauchen Konservierung. Einige Stoffe, etwa bestimmte Isothiazolinone, sind als Kontaktallergene bekannt. Konzentrate und feste Produkte kommen oft mit weniger aus.

Säuren und Laugen

Starke Säuren und Laugen sind nicht per se umweltschädlich, werden aber bei Überdosierung zum Problem für Material und Haut. Sie gehören in Spezialanwendungen, nicht in die tägliche Reinigung.

Lösemittel

Flüchtige organische Verbindungen verdunsten in die Raumluft. Produkte mit geringem Lösemittelanteil verbessern die Luftqualität in Innenräumen.

Schwer abbaubare Polymere

Manche Pflegemittel enthalten Polymere, die Glanz oder Schutzfilm erzeugen. Sie sind in Bodenpflegemitteln gewollt, in Allzweckreinigern meist überflüssig.

Desinfizierende Wirkstoffe

Quartäre Ammoniumverbindungen oder Chlor in Reinigern belasten die Umwelt unnötig, wenn keine Desinfektion erforderlich ist. „Hygienereiniger“ ohne Bedarf sind deshalb ökologisch fragwürdig.

Wie Allzweckreiniger technisch funktionieren und welcher pH-Wert zu welcher Oberfläche passt, erklärt der Ratgeber Allzweckreiniger richtig verwenden.

Passende LeistungLaufende Reinigung mit abgestimmten Mitteln

In der Unterhaltsreinigung lässt sich vertraglich festlegen, welche Mittel eingesetzt werden. Wenn Ihnen Umweltzeichen oder parfümfreie Produkte wichtig sind, berücksichtigen wir das bei der Planung.

Die größten Hebel: Dosierung und System

Die ökologische Bilanz einer Reinigung entscheidet sich weniger am Regal als im Putzeimer. Ein überdosiertes Produkt mit Umweltzeichen belastet das Abwasser stärker als ein korrekt dosiertes Standardprodukt. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass auch gelabelte Mittel nur bei richtiger Dosierung umweltfreundlicher sind. In der Praxis zählen vor allem diese Stellschrauben:

Dosiertechnik

Pumpen, Dosierkappen oder fest installierte Dosiergeräte verhindern das Schätzen nach Gefühl – den häufigsten Grund für Mehrverbrauch.

Konzentrate

Hochkonzentrierte Produkte sparen Transport und Verpackung, setzen aber eine genaue Dosierung voraus. Ohne Dosierhilfe drehen sie den Vorteil ins Gegenteil.

Mikrofaser

Moderne Mikrofasertücher und -mopps lösen Schmutz mechanisch und kommen bei vielen Flächen mit sehr wenig Reinigungsmittel aus.

Weniger Produkte

Ein schlankes Sortiment aus wenigen Grundmitteln reduziert Fehlanwendungen, Lagerbestände und angebrochene Gebinde.

Nachfüll- und Mehrwegsysteme

Großgebinde und Nachfüllkartuschen sparen Kunststoff gegenüber vielen kleinen Sprühflaschen.

Passender Turnus

Wer regelmäßig reinigt, braucht seltener aggressive Mittel. Festsitzender Schmutz entsteht vor allem dort, wo Intervalle zu lang sind.

Grundsatz

Die umweltschonendste Reinigungschemie ist die, die gar nicht erst eingesetzt werden muss: durch Schmutzfangmatten, passende Intervalle und Mechanik statt Chemie.

Wie Intervalle so gewählt werden, dass Schmutz sich gar nicht erst festsetzt, beschreibt der Ratgeber Reinigungsintervalle festlegen.

Grenzen ökologischer Mittel

Umweltschonende Produkte decken den Großteil der laufenden Reinigung ab. Es gibt aber Aufgaben, bei denen sie an Grenzen kommen oder bei denen „natürlich“ nicht gleich „unbedenklich“ ist.

Wo es schwierig wird
  • –Urinstein und starke Kalkablagerungen erfordern saure Mittel, die nicht jedes Material verträgt
  • –verhärtete Fette in Gewerbeküchen brauchen alkalische Spezialreiniger
  • –Grundreinigung alter Pflegefilme auf Böden ist ohne starke Reiniger kaum möglich
  • –Desinfektion ist ein eigener Bereich mit eigenen Zulassungen
Was in der Praxis hilft
  • ✓Ablagerungen durch kurze Intervalle gar nicht erst entstehen lassen
  • ✓Spezialmittel gezielt, sparsam und nur an der betroffenen Stelle einsetzen
  • ✓Grundreinigungen planen statt im Alltag mit zu starken Mitteln zu arbeiten
  • ✓Desinfektion nur nach Hygieneplan oder bei konkretem Anlass

Hausmittel und „natürliche“ Produkte

Essig, Zitronensäure und Natron gelten als ökologische Alternativen. Sie haben ihre Berechtigung, aber auch Nachteile: Essig und Zitronensäure greifen Marmor, Kalkstein und zementhaltige Fugen an, siehe Naturstein reinigen. Ätherische Öle in „Naturreinigern“ können ebenso Allergien auslösen wie synthetische Duftstoffe. Und wer Hausmittel nach Gefühl dosiert, verbraucht oft mehr als nötig. Für den gewerblichen Einsatz mit wechselnden Reinigungskräften sind standardisierte, dosierbare Produkte mit Umweltzeichen deshalb meist die bessere Wahl.

Desinfektion bleibt eine Sonderaufgabe

Desinfektionsmittel sind Biozidprodukte im Sinne der Biozid-Verordnung und werden nach eigenen Regeln bewertet. Ob in einem Objekt desinfiziert werden muss, ergibt sich aus Hygieneplan, Nutzung und konkretem Anlass – nicht aus dem Wunsch nach „extra sauber“. Wo Desinfektion nötig ist, etwa in Praxen oder bei einem Ausbruchsgeschehen, übernimmt das die Desinfektionsreinigung mit geeigneten Mitteln. Mehr zu Wirkstoffen und Einwirkzeiten im Ratgeber Desinfektionsmittel.

Umstellung im Betrieb: so gelingt der Wechsel

Wer auf umweltschonende Reinigung umstellen möchte – ob mit eigenem Personal oder über einen Dienstleister –, kommt mit einem strukturierten Vorgehen am weitesten:

  1. 1
    Bestand erfassen

    Welche Mittel sind im Einsatz, in welchen Mengen, für welche Flächen? Oft zeigt sich, dass viele Produkte doppelt vorhanden sind oder gar nicht gebraucht werden.

  2. 2
    Sortiment verschlanken

    Für die laufende Reinigung genügen meist wenige Grundmittel: ein Allzweckreiniger, ein Sanitärreiniger für Kalk, ein Glasreiniger, gegebenenfalls ein Bodenpflegemittel.

  3. 3
    Gelabelte Alternativen auswählen

    Für jede Produktgruppe prüfen, ob es ein Produkt mit Blauem Engel oder EU Ecolabel gibt, das zu den Oberflächen im Objekt passt.

  4. 4
    Dosierung festlegen und schulen

    Dosierhilfen bereitstellen und alle Beteiligten einweisen. Ohne diesen Schritt verpufft der Effekt.

  5. 5
    Im Vertrag verankern

    Die gewünschten Kriterien gehören ins Leistungsverzeichnis, etwa „Reiniger mit Blauem Engel, EU Ecolabel oder gleichwertig“ sowie eine aktuelle Produktliste.

Besonders gefragt sind solche Vorgaben in Einrichtungen mit Kindern. Wie Reinigung und Hygieneplan in der Kita zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Hygieneplan in der Kita; Besonderheiten der Reinigung dort beschreibt unsere Seite zur Kindergartenreinigung.

Häufige Fragen zu ökologischen Reinigungsmitteln

Ist „biologisch abbaubar“ ein Qualitätsmerkmal?

Kaum. Die in Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzten Tenside müssen nach der EU-Detergenzienverordnung ohnehin biologisch vollständig abbaubar sein. Der Hinweis beschreibt also meist nur einen gesetzlichen Mindeststandard. Aussagekräftiger ist ein unabhängiges Umweltzeichen mit veröffentlichten Kriterien.

Reinigen Produkte mit Umweltzeichen schlechter?

Nicht grundsätzlich. Beim EU Ecolabel ist ein Nachweis der Reinigungsleistung Teil der Kriterien. Unterschiede zeigen sich eher bei Spezialaufgaben wie verhärteten Fetten oder starken Kalkablagerungen, für die es nicht immer gelabelte Alternativen gibt.

Sind Essig und Natron die umweltfreundlichere Wahl?

Nicht automatisch. Essig löst Kalk, schadet aber Naturstein, Fugen und manchen Dichtungen. Natron wirkt leicht scheuernd und kann empfindliche Oberflächen verkratzen. Für die gewerbliche Reinigung sind dosierbare Produkte mit Umweltzeichen in der Regel verlässlicher.

Gibt es umweltschonende Desinfektionsmittel?

Desinfektionsmittel sind Biozidprodukte und unterliegen eigenen Zulassungsregeln. Ein Umweltzeichen für Reiniger sagt über ihre Eignung nichts aus. Der umweltschonendste Ansatz ist, nur dort zu desinfizieren, wo es hygienisch erforderlich ist, und sonst gründlich zu reinigen.

Kann ich in einer Ausschreibung Umweltzeichen verlangen?

Ja, Auftraggeber können im Leistungsverzeichnis festlegen, dass Reinigungsmittel die Kriterien eines bestimmten Umweltzeichens oder gleichwertige Anforderungen erfüllen müssen. Sinnvoll ist, zusätzlich Dosiertechnik und Nachweise wie Produktlisten zu verlangen.

Weiterlesen im Ratgeber

Über diesen Ratgeber

Dieser Ratgeber wurde von der Redaktion PUTZPROFIS Berlin erstellt und beruht auf der Praxis aus über 20 Jahren Objektreinigung bei RAT Gebäudeservice. Stand: Oktober 2026. Angaben zu Umweltzeichen nach den Veröffentlichungen der Zeichengeber und des Umweltbundesamts; die rechtlichen Hinweise sind keine Rechtsberatung.

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