Umweltschonende Reinigungsmittel: Umweltzeichen, Inhaltsstoffe und Grenzen
Ob ein Reinigungsmittel die Umwelt weniger belastet, erkennen Sie zuverlässig an unabhängigen Umweltzeichen wie dem Blauen Engel oder dem EU Ecolabel – nicht an Werbebegriffen wie „öko“ oder „natürlich“. Mindestens ebenso wichtig wie die Produktwahl ist allerdings die Dosierung: Ein gelabeltes Mittel in doppelter Menge ist keine ökologische Reinigung. Dieser Ratgeber erklärt, was die Zeichen bedeuten, auf welche Inhaltsstoffe es ankommt und wo umweltschonende Mittel an Grenzen stoßen.
Was „umweltschonend“ bei Reinigungsmitteln bedeutet
Jedes Reinigungsmittel gelangt nach Gebrauch ins Abwasser. Umweltschonend ist ein Produkt deshalb vor allem dann, wenn es dort möglichst wenig Schaden anrichtet, aus verträglichen Rohstoffen besteht, sparsam dosiert werden kann und wenig Verpackung verursacht. Diese Eigenschaften lassen sich am Etikett allein kaum beurteilen. Das Umweltbundesamt unterscheidet daher drei Arten von Kennzeichnungen:
Vergeben nach öffentlich zugänglichen Kriterien und geprüft durch eine unabhängige Stelle, etwa Blauer Engel, EU Ecolabel oder Nordic Swan. Sie vergleichen Produkte innerhalb einer Produktgruppe.
Selbst formulierte Aussagen wie „umweltfreundlich“, „natürlich“ oder „öko“. Sie sind nicht einheitlich definiert und vom Hersteller selbst verantwortet.
Selbstverpflichtungen von Verbänden. Sie bewerten das Engagement des Herstellers, nicht die Umwelteigenschaften des einzelnen Produkts.
Was ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist
Ein häufiges Werbeargument ist die biologische Abbaubarkeit. Die EU-Detergenzienverordnung verlangt aber bereits, dass Tenside in Wasch- und Reinigungsmitteln biologisch vollständig abbaubar sind. Dieselbe Verordnung schreibt vor, bestimmte allergene Duftstoffe ab einer geringen Konzentration auf dem Etikett anzugeben. Wer mit diesen Punkten wirbt, beschreibt also häufig nur den gesetzlichen Mindeststandard.
Hinzu kommt eine neue Rechtslage: Seit dem 27. September 2026 gelten im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb strengere Regeln für pauschale Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel, mit denen die EU-Richtlinie 2024/825 umgesetzt wird. Allgemeine Versprechen wie „umweltfreundlich“ ohne anerkannten Nachweis und selbst ausgedachte Siegel ohne Zertifizierungssystem werden damit deutlich eingeschränkt. Für Einkäufer bedeutet das: Verlässliche Orientierung bieten anerkannte Umweltzeichen.
Die rechtlichen Angaben in diesem Ratgeber sind ein allgemeiner Überblick und keine Rechtsberatung.
Umweltzeichen im Vergleich
Für Reinigungsmittel spielen in Deutschland vor allem zwei Zeichen eine Rolle. Beide sind sogenannte Typ-I-Umweltzeichen: Die Kriterien werden öffentlich festgelegt, die Einhaltung wird vor der Vergabe geprüft, und das Zeichen gilt nur für die jeweilige Produktgruppe.
| Merkmal | Blauer Engel | EU Ecolabel |
|---|---|---|
| Herkunft | Umweltzeichen der Bundesregierung; Zeicheninhaber ist das Bundesumweltministerium. | Umweltzeichen der Europäischen Union, Grundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 66/2010. |
| Kriterien | Vom Umweltbundesamt erarbeitet, von der unabhängigen Jury Umweltzeichen beschlossen, regelmäßig überarbeitet. | Auf EU-Ebene festgelegt; für Reiniger für harte Oberflächen im Beschluss (EU) 2017/1217. |
| Vergabe | Über die RAL gGmbH als Vergabestelle auf Basis eines Vertrags mit dem Hersteller. | Über nationale zuständige Stellen; in Deutschland sind das Umweltbundesamt und RAL beteiligt. |
| Relevante Produktgruppe | DE-UZ 194: Handgeschirrspülmittel und Reiniger für harte Oberflächen. | Allzweck-, Küchen-, Fenster- und Sanitärreiniger, für privaten und gewerblichen Gebrauch. |
| Logo | Blauer Engel mit Kranz und Hinweis auf die Schutzziele. | Blume aus Sternen mit Lizenznummer. |
| Nachprüfen | Produktsuche auf der Website des Blauen Engels. | Produktkatalog des EU Ecolabel (ECAT). |
Beide Zeichen stellen Anforderungen an Inhaltsstoffe, Gewässerverträglichkeit, Verpackung und Verbraucherinformationen. Beim EU Ecolabel gehört zusätzlich ein Nachweis der Reinigungsleistung zu den Kriterien – ein gelabeltes Produkt muss also auch reinigen können. Weitere seriöse Typ-I-Zeichen sind etwa der Nordic Swan aus den nordischen Ländern und das Österreichische Umweltzeichen.
So prüfen Sie ein Zeichen auf der Verpackung
- Ist das Logo vollständig und gehört es zu einem bekannten Zeichengeber?
- Steht eine Lizenz- oder Registriernummer dabei? Beim EU Ecolabel ist sie Pflicht.
- Passt die Produktgruppe? Ein Zeichen für Handgeschirrspülmittel sagt nichts über einen Bodenreiniger desselben Herstellers.
- Ist das Produkt in der offiziellen Datenbank gelistet?
- Ist das Siegel in Wahrheit ein Herstellerlogo mit grüner Farbe, Blatt oder Erdkugel, aber ohne Prüfstelle?
Inhaltsstoffe, auf die es ankommt
Wer kein Umweltzeichen zur Hand hat oder Produkte genauer vergleichen will, findet Hinweise im Sicherheitsdatenblatt und in der Inhaltsstoffangabe. Die folgenden Gruppen sind für Umwelt und Gesundheit besonders relevant:
Sie verbessern nur den Geruch, tragen nichts zur Reinigung bei und gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Für Kitas, Praxen und Menschen mit empfindlicher Haut sind parfümfreie Produkte die bessere Wahl.
Wasserhaltige Produkte brauchen Konservierung. Einige Stoffe, etwa bestimmte Isothiazolinone, sind als Kontaktallergene bekannt. Konzentrate und feste Produkte kommen oft mit weniger aus.
Starke Säuren und Laugen sind nicht per se umweltschädlich, werden aber bei Überdosierung zum Problem für Material und Haut. Sie gehören in Spezialanwendungen, nicht in die tägliche Reinigung.
Flüchtige organische Verbindungen verdunsten in die Raumluft. Produkte mit geringem Lösemittelanteil verbessern die Luftqualität in Innenräumen.
Manche Pflegemittel enthalten Polymere, die Glanz oder Schutzfilm erzeugen. Sie sind in Bodenpflegemitteln gewollt, in Allzweckreinigern meist überflüssig.
Quartäre Ammoniumverbindungen oder Chlor in Reinigern belasten die Umwelt unnötig, wenn keine Desinfektion erforderlich ist. „Hygienereiniger“ ohne Bedarf sind deshalb ökologisch fragwürdig.
Wie Allzweckreiniger technisch funktionieren und welcher pH-Wert zu welcher Oberfläche passt, erklärt der Ratgeber Allzweckreiniger richtig verwenden.
In der Unterhaltsreinigung lässt sich vertraglich festlegen, welche Mittel eingesetzt werden. Wenn Ihnen Umweltzeichen oder parfümfreie Produkte wichtig sind, berücksichtigen wir das bei der Planung.
Die größten Hebel: Dosierung und System
Die ökologische Bilanz einer Reinigung entscheidet sich weniger am Regal als im Putzeimer. Ein überdosiertes Produkt mit Umweltzeichen belastet das Abwasser stärker als ein korrekt dosiertes Standardprodukt. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass auch gelabelte Mittel nur bei richtiger Dosierung umweltfreundlicher sind. In der Praxis zählen vor allem diese Stellschrauben:
Pumpen, Dosierkappen oder fest installierte Dosiergeräte verhindern das Schätzen nach Gefühl – den häufigsten Grund für Mehrverbrauch.
Hochkonzentrierte Produkte sparen Transport und Verpackung, setzen aber eine genaue Dosierung voraus. Ohne Dosierhilfe drehen sie den Vorteil ins Gegenteil.
Moderne Mikrofasertücher und -mopps lösen Schmutz mechanisch und kommen bei vielen Flächen mit sehr wenig Reinigungsmittel aus.
Ein schlankes Sortiment aus wenigen Grundmitteln reduziert Fehlanwendungen, Lagerbestände und angebrochene Gebinde.
Großgebinde und Nachfüllkartuschen sparen Kunststoff gegenüber vielen kleinen Sprühflaschen.
Wer regelmäßig reinigt, braucht seltener aggressive Mittel. Festsitzender Schmutz entsteht vor allem dort, wo Intervalle zu lang sind.
Die umweltschonendste Reinigungschemie ist die, die gar nicht erst eingesetzt werden muss: durch Schmutzfangmatten, passende Intervalle und Mechanik statt Chemie.
Wie Intervalle so gewählt werden, dass Schmutz sich gar nicht erst festsetzt, beschreibt der Ratgeber Reinigungsintervalle festlegen.
Grenzen ökologischer Mittel
Umweltschonende Produkte decken den Großteil der laufenden Reinigung ab. Es gibt aber Aufgaben, bei denen sie an Grenzen kommen oder bei denen „natürlich“ nicht gleich „unbedenklich“ ist.
- –Urinstein und starke Kalkablagerungen erfordern saure Mittel, die nicht jedes Material verträgt
- –verhärtete Fette in Gewerbeküchen brauchen alkalische Spezialreiniger
- –Grundreinigung alter Pflegefilme auf Böden ist ohne starke Reiniger kaum möglich
- –Desinfektion ist ein eigener Bereich mit eigenen Zulassungen
- ✓Ablagerungen durch kurze Intervalle gar nicht erst entstehen lassen
- ✓Spezialmittel gezielt, sparsam und nur an der betroffenen Stelle einsetzen
- ✓Grundreinigungen planen statt im Alltag mit zu starken Mitteln zu arbeiten
- ✓Desinfektion nur nach Hygieneplan oder bei konkretem Anlass
Hausmittel und „natürliche“ Produkte
Essig, Zitronensäure und Natron gelten als ökologische Alternativen. Sie haben ihre Berechtigung, aber auch Nachteile: Essig und Zitronensäure greifen Marmor, Kalkstein und zementhaltige Fugen an, siehe Naturstein reinigen. Ätherische Öle in „Naturreinigern“ können ebenso Allergien auslösen wie synthetische Duftstoffe. Und wer Hausmittel nach Gefühl dosiert, verbraucht oft mehr als nötig. Für den gewerblichen Einsatz mit wechselnden Reinigungskräften sind standardisierte, dosierbare Produkte mit Umweltzeichen deshalb meist die bessere Wahl.
Desinfektion bleibt eine Sonderaufgabe
Desinfektionsmittel sind Biozidprodukte im Sinne der Biozid-Verordnung und werden nach eigenen Regeln bewertet. Ob in einem Objekt desinfiziert werden muss, ergibt sich aus Hygieneplan, Nutzung und konkretem Anlass – nicht aus dem Wunsch nach „extra sauber“. Wo Desinfektion nötig ist, etwa in Praxen oder bei einem Ausbruchsgeschehen, übernimmt das die Desinfektionsreinigung mit geeigneten Mitteln. Mehr zu Wirkstoffen und Einwirkzeiten im Ratgeber Desinfektionsmittel.
Umstellung im Betrieb: so gelingt der Wechsel
Wer auf umweltschonende Reinigung umstellen möchte – ob mit eigenem Personal oder über einen Dienstleister –, kommt mit einem strukturierten Vorgehen am weitesten:
- 1Bestand erfassen
Welche Mittel sind im Einsatz, in welchen Mengen, für welche Flächen? Oft zeigt sich, dass viele Produkte doppelt vorhanden sind oder gar nicht gebraucht werden.
- 2Sortiment verschlanken
Für die laufende Reinigung genügen meist wenige Grundmittel: ein Allzweckreiniger, ein Sanitärreiniger für Kalk, ein Glasreiniger, gegebenenfalls ein Bodenpflegemittel.
- 3Gelabelte Alternativen auswählen
Für jede Produktgruppe prüfen, ob es ein Produkt mit Blauem Engel oder EU Ecolabel gibt, das zu den Oberflächen im Objekt passt.
- 4Dosierung festlegen und schulen
Dosierhilfen bereitstellen und alle Beteiligten einweisen. Ohne diesen Schritt verpufft der Effekt.
- 5Im Vertrag verankern
Die gewünschten Kriterien gehören ins Leistungsverzeichnis, etwa „Reiniger mit Blauem Engel, EU Ecolabel oder gleichwertig“ sowie eine aktuelle Produktliste.
Besonders gefragt sind solche Vorgaben in Einrichtungen mit Kindern. Wie Reinigung und Hygieneplan in der Kita zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Hygieneplan in der Kita; Besonderheiten der Reinigung dort beschreibt unsere Seite zur Kindergartenreinigung.
Häufige Fragen zu ökologischen Reinigungsmitteln
Ist „biologisch abbaubar“ ein Qualitätsmerkmal?
Kaum. Die in Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzten Tenside müssen nach der EU-Detergenzienverordnung ohnehin biologisch vollständig abbaubar sein. Der Hinweis beschreibt also meist nur einen gesetzlichen Mindeststandard. Aussagekräftiger ist ein unabhängiges Umweltzeichen mit veröffentlichten Kriterien.
Reinigen Produkte mit Umweltzeichen schlechter?
Nicht grundsätzlich. Beim EU Ecolabel ist ein Nachweis der Reinigungsleistung Teil der Kriterien. Unterschiede zeigen sich eher bei Spezialaufgaben wie verhärteten Fetten oder starken Kalkablagerungen, für die es nicht immer gelabelte Alternativen gibt.
Sind Essig und Natron die umweltfreundlichere Wahl?
Nicht automatisch. Essig löst Kalk, schadet aber Naturstein, Fugen und manchen Dichtungen. Natron wirkt leicht scheuernd und kann empfindliche Oberflächen verkratzen. Für die gewerbliche Reinigung sind dosierbare Produkte mit Umweltzeichen in der Regel verlässlicher.
Gibt es umweltschonende Desinfektionsmittel?
Desinfektionsmittel sind Biozidprodukte und unterliegen eigenen Zulassungsregeln. Ein Umweltzeichen für Reiniger sagt über ihre Eignung nichts aus. Der umweltschonendste Ansatz ist, nur dort zu desinfizieren, wo es hygienisch erforderlich ist, und sonst gründlich zu reinigen.
Kann ich in einer Ausschreibung Umweltzeichen verlangen?
Ja, Auftraggeber können im Leistungsverzeichnis festlegen, dass Reinigungsmittel die Kriterien eines bestimmten Umweltzeichens oder gleichwertige Anforderungen erfüllen müssen. Sinnvoll ist, zusätzlich Dosiertechnik und Nachweise wie Produktlisten zu verlangen.
Weiterlesen im Ratgeber
Dieser Ratgeber wurde von der Redaktion PUTZPROFIS Berlin erstellt und beruht auf der Praxis aus über 20 Jahren Objektreinigung bei RAT Gebäudeservice. Stand: Oktober 2026. Angaben zu Umweltzeichen nach den Veröffentlichungen der Zeichengeber und des Umweltbundesamts; die rechtlichen Hinweise sind keine Rechtsberatung.