Grüne Hauswand: Algen am Putz verstehen, schonend entfernen und vorbeugen
Grüner, roter oder schwarzer Belag auf dem Putz besteht fast immer aus Algen und Pilzen, die auf dauerhaft feuchten Oberflächen wachsen. Besonders betroffen sind gedämmte Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem auf Nord- und Westseiten. Entfernen lässt sich der Belag mit Niederdruck und geeigneten Mitteln, ohne den dünnen Putz zu beschädigen. Dauerhaft hilft aber nur, wenn die Gründe für die Feuchte mitbedacht werden.
Grün, rot, schwarz: was auf der Fassade wächst
Der Fachbegriff für Bewuchs an Gebäuden ist mikrobieller Befall. Dahinter stecken einige wenige Gruppen von Organismen, die an der Farbe recht gut zu unterscheiden sind. Die Einordnung hilft, weil sie etwas über die Feuchtesituation der Wand verrät.
Der häufigste Belag: grüner, oft pulvriger Schleier, besonders an Nordseiten, unter Fensterbänken und im Sockelbereich. Zeigt, dass die Oberfläche regelmäßig lange feucht ist.
Orange bis rostrote Flecken, oft durch Luftalgen der Gattung Trentepohlia. Sie werden leicht mit Rost oder Eisenverfärbungen verwechselt, sind aber organisch.
Häufig Schwärzepilze, manchmal gemischt mit Ruß und Staub. Sie sitzen gern in Strukturputz und wirken nach einer Reinigung schneller wieder grau.
Feste, krustige oder blättrige Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen. Sie wachsen langsam, haften stark und kommen eher auf älteren mineralischen Flächen und Sockeln vor.
Auf Fassaden selten, eher an Sockeln, Mauerkronen und Simsen, wo sich Erde und Wasser sammeln. Auf Dächern dagegen sehr verbreitet.
Allen gemeinsam ist der Bedarf an Wasser. Licht und etwas Staub als Nährstoffquelle sind in der Stadt immer vorhanden. Ob eine Fassade grün wird, entscheidet deshalb vor allem die Frage, wie lange die Oberfläche nach Regen, Nebel oder Tau feucht bleibt. Wer sich für Bewuchs auf Dächern interessiert, findet die Besonderheiten im Ratgeber Moos auf dem Dach.
Warum gedämmte Fassaden besonders oft grün werden
Bei einem Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, sitzt auf der Dämmplatte nur eine wenige Millimeter dicke Putzschicht. Sie erhält von innen kaum noch Wärme, denn genau das soll die Dämmung verhindern. In klaren Nächten strahlt diese dünne Schicht Wärme an den Himmel ab und kühlt dabei unter die Lufttemperatur ab.
Unterschreitet die Oberfläche den Taupunkt der Außenluft, schlägt sich Wasser nieder, ähnlich wie Tau auf einem Autodach. Die Fassade ist dann morgens feucht, obwohl es nicht geregnet hat. Bei einer massiven, ungedämmten Wand speichert das Mauerwerk mehr Wärme, die Oberfläche bleibt wärmer und trocknet schneller ab.
Das ist kein Mangel der Dämmung an sich, sondern eine bauphysikalische Folge. Sie lässt sich durch die Wahl von Putz und Farbe, durch bauliche Details und durch die Umgebung beeinflussen, aber nicht vollständig abschalten.
Was das Risiko erhöht
- Nord- und Westausrichtung, wenig Sonne
- Bäume, Hecken oder Gewässer in der Nähe
- Fehlender oder knapper Dachüberstand
- Undichte oder überlaufende Dachrinnen
- Fensterbänke ohne ausreichenden Überstand und Tropfkante
- Spritzwasser im Sockelbereich
- Strukturputz mit tiefen Rillen, in denen Wasser und Staub haften
Algen auf dem WDVS sind ein Feuchtesymptom. Eine Reinigung beseitigt das Symptom; ob es wiederkommt, entscheiden Lage, Konstruktion und Pflege.
Selbst reinigen oder beauftragen? Eine ehrliche Einschätzung
Kleine Stellen im Erdgeschoss, etwa am Sockel oder unter einer Fensterbank, lassen sich oft selbst behandeln. Für größere Flächen, Arbeiten über Kopfhöhe und für gedämmte Fassaden sind die Risiken höher, als viele erwarten.
- –Hochdruckreiniger mit Punktstrahldüse aus kurzem Abstand
- –Harte Bürsten oder Drahtbürsten auf Putz
- –Chlorhaltige Reiniger aus dem Haushalt
- –Arbeiten von der Anlegeleiter mit Hochdruckgerät in der Hand
- –Reinigungswasser in Beet, Rasen oder Gully laufen lassen
- ✓Niederdruck mit großem Abstand, Wasser nicht in Anschlüsse und Risse richten
- ✓Weiche Bürsten, nur bei festen Flächen und kleinen Stellen
- ✓Für Fassaden zugelassene Mittel nach Herstellerangabe
- ✓Bei Höhe: Gerüst oder Hubarbeitsbühne, keine Leiterarbeit mit Strahlgerät
- ✓Ablauf und Auffangen des Wassers vorher klären
Besonders kritisch ist Hochdruck auf einem WDVS: Der Strahl kann die dünne Armierungs- und Oberputzschicht beschädigen und Wasser über Fugen, Fensteranschlüsse oder Haarrisse in die Dämmung drücken. Feuchte Dämmung trocknet nur langsam und verliert an Wirkung. Ein Schaden dieser Art ist oft teurer als eine fachgerechte Reinigung.
Wir reinigen Fassaden mit Niederdruck und auf den Untergrund abgestimmten Mitteln, legen vorab eine Probefläche an und klären Zugang, Absicherung und Wasserführung. Die Besichtigung ist kostenfrei.
So läuft eine fachgerechte Entfernung ab
Eine Algenreinigung an Putzfassaden folgt einem festen Muster. Die Details hängen vom Untergrund und von der Höhe ab; ausführlich beschreibt die Fassadenreinigung unsere Verfahren für Putz, Klinker und Naturstein.
- 1Untergrund und Zustand prüfen
Putzart, Anstrich, Risse, Hohlstellen, Anschlüsse an Fenstern und Dach. Beschädigte Stellen werden vor der Reinigung erfasst und dem Eigentümer gezeigt.
- 2Umgebung schützen
Fenster, Türen, Leuchten, Pflanzen und Gehwege werden abgedeckt oder abgesichert. Es wird festgelegt, wohin das Wasser abläuft und ob es aufgefangen werden muss.
- 3Reinigungsmittel auftragen und einwirken lassen
Ein für den Untergrund geeignetes Mittel wird aufgesprüht und wirkt eine festgelegte Zeit. Es löst den Bewuchs, sodass weniger Druck nötig ist.
- 4Mit Niederdruck abspülen
Von oben nach unten, mit großem Abstand und moderater Wassermenge. Auf robusten Klinker- oder Betonflächen kann der Druck je nach Zustand höher sein.
- 5Ergebnis prüfen und nachbehandeln
Nach dem Abtrocknen wird kontrolliert, ob Reste bleiben. Auf Wunsch folgt eine vorbeugende Behandlung, sofern der Untergrund und die Witterung das zulassen.
Bei Glasfassaden, Fensterbändern oder Wintergärten gelten eigene Regeln. Wie Algen auf Glasdächern und Stegplatten entfernt werden, erklärt der Ratgeber Wintergarten und Glasdach reinigen.
Biozide: Wirkung, Grenzen und Umwelt
Viele Fassadenfarben und -putze enthalten Biozide, die Algen und Pilze für einige Zeit fernhalten. Auch nach einer Reinigung werden biozide Mittel angeboten. Sie können sinnvoll sein, haben aber Grenzen, die man kennen sollte:
- Begrenzte Wirkdauer: Die Wirkstoffe sind wasserlöslich und werden durch Regen nach und nach aus der Oberfläche gewaschen. Die Schutzwirkung lässt deshalb über die Jahre nach.
- Umweltbelastung: Ausgewaschene Biozide gelangen mit dem Regenwasser in Boden, Versickerungsanlagen und Gewässer. Deshalb werden auch verkapselte Wirkstoffe eingesetzt, die langsamer freigesetzt werden.
- Zulassung: Biozidprodukte unterliegen in der EU der Biozid-Verordnung. Verwendet werden dürfen nur zugelassene Produkte, und zwar so, wie es auf dem Etikett steht.
- Keine Lösung für die Ursache: Eine Fassade, die dauerhaft nass ist, wird auch mit Biozid wieder grün, nur später.
Vor der Verwendung immer Etikett und Produktinformation lesen. Mittel nicht in Gully, Regenwassereinlauf oder auf Pflanzflächen gelangen lassen und nur bei geeigneter Witterung auftragen. Wer einen Brunnen, eine Versickerungsmulde oder einen Teich auf dem Grundstück hat, sollte mit Bioziden an der Fassade besonders zurückhaltend sein.
Als Alternative oder Ergänzung gibt es Putze und Farben, die Wasser besonders schnell abtrocknen lassen oder durch dickere Schichten mehr Wärme speichern. Welche Lösung für einen Neuanstrich passt, ist eine Frage für den Malerbetrieb. Ein Reinigungsbetrieb kann die Fläche dafür vorbereiten.
Vorbeugen: was die Fassade länger sauber hält
Viele Ursachen für Bewuchs liegen nicht im Putz, sondern in seiner Umgebung. Die folgenden Maßnahmen setzen dort an. Nicht jede ist an jedem Haus möglich, aber schon zwei oder drei davon verlängern die Zeit bis zur nächsten Reinigung oft spürbar.
| Maßnahme | Wirkung | Grenzen |
|---|---|---|
| Bäume und Hecken auf Abstand halten | Mehr Licht und Luftbewegung, schnelleres Abtrocknen, weniger Laub und Blütenstaub | Baumschutz beachten; Fällung oder starker Rückschnitt nur nach Rücksprache mit der Behörde |
| Dachrinnen und Fallrohre frei halten | Kein überlaufendes Wasser, das an der Fassade herabläuft | Muss regelmäßig wiederholt werden |
| Fensterbänke mit Überstand und Tropfkante | Wasser tropft frei ab statt an der Wand entlangzulaufen | Nachrüstung ist eine Handwerksleistung |
| Spritzwasserschutz am Sockel | Kiesstreifen statt Erde oder Rasen direkt an der Wand | Gefälle vom Haus weg nötig |
| Frühe Reinigung bei ersten Anzeichen | Dünner Belag lässt sich mit wenig Aufwand entfernen | Ersetzt nicht die Ursachenbehebung |
| Regelmäßige Sichtkontrolle | Risse, Hohlstellen und nasse Zonen fallen früh auf | Braucht feste Zuständigkeit |
Die Pflege der Dachentwässerung ist dabei einer der einfachsten Hebel. Wie oft Rinnen kontrolliert werden sollten, beschreibt der Ratgeber Dachrinne reinigen, die Arbeiten selbst übernimmt die Dachreinigung. Für Hausverwaltungen lassen sich Sichtkontrollen von Fassade, Rinnen und Sockel gut in die regelmäßige Objektbetreuung aufnehmen.
Häufige Fragen zu Algen an der Fassade
Schaden Algen der Fassade oder sind sie nur ein Schönheitsfehler?
Zunächst sind sie vor allem ein optisches Problem. Algen und Pilze halten aber Feuchtigkeit in der Oberfläche, verlängern die Zeit, in der der Putz nass ist, und können so Frostschäden und weiteren Bewuchs begünstigen. Ein dichter Bewuchs über Jahre ist deshalb mehr als ein Schönheitsfehler, auch wenn er die Wand nicht von heute auf morgen zerstört.
Warum ist nur eine Seite meines Hauses grün?
Meist sind es die Nord- und Westseiten oder Flächen in der Nähe von Bäumen, Hecken und Gewässern. Dort trocknet die Fassade nach Regen und Tau langsamer ab, weil weniger Sonne hinkommt und mehr Feuchtigkeit in der Luft ist. Auch Wetterseiten, auf die der Regen häufig trifft, und Flächen ohne Dachüberstand sind stärker betroffen.
Kann ich Algen mit Hausmitteln wie Essig oder Soda entfernen?
Davon ist eher abzuraten. Essig kann kalkhaltige Putze angreifen, und Hausmittel wirken selten in die Tiefe. Außerdem dürfen Reinigungsmittel nicht unkontrolliert in Boden oder Regenwasserkanal gelangen. Für kleine, erreichbare Flächen genügt oft Wasser mit einer weichen Bürste; alles andere sollte mit Mitteln erfolgen, die für Fassaden und den jeweiligen Untergrund vorgesehen sind.
Ist ein Neuanstrich besser als eine Reinigung?
Nicht automatisch. Ein Anstrich auf einer bewachsenen Fläche hält schlecht und deckt das Problem nur zu. Vor jedem Anstrich muss die Fläche ohnehin gereinigt werden. Ein Neuanstrich ist dann sinnvoll, wenn die alte Beschichtung verbraucht ist, Risse geschlossen werden müssen oder ein anderer Farbtyp gewünscht ist. Das entscheidet ein Malerbetrieb nach der Reinigung.
Wann im Jahr sollte man Algen entfernen lassen?
Gut geeignet sind frostfreie, trockene Phasen im Frühjahr und Frühherbst. Die Fassade muss nach der Reinigung abtrocknen können, und Nachbehandlungen brauchen oft eine bestimmte Mindesttemperatur und einige Tage ohne Regen. Bei Frost wird nicht mit Wasser gearbeitet.
Weiterlesen im Ratgeber
Dieser Ratgeber wurde von der Redaktion PUTZPROFIS Berlin verfasst und beruht auf der Praxis aus über 20 Jahren Objektreinigung, darunter die Reinigung von Putz-, Klinker- und Natursteinfassaden in Berlin. Stand: Oktober 2026. Bei Biozidprodukten gelten die Angaben auf dem Etikett; bauliche Maßnahmen gehören in die Hände eines Fachbetriebs.